Dataset: Allgemeine Bevölkerungsumfrage der Sozialwissenschaften ALLBUS 2010

Variable v962: GOLDTHORPEKLASSEN I68, EINORD. N. TERWEY

Literal Question

Ergänzender Kurzkommentar zur Variablenbeschreibung:
ALLBUS-Klassenlage nach Goldthorpe:
Abgeleitet aus Einordnungsberufsdaten (ISCO 1968)

0 Die relevanten Klassifikationspersonen sind ohne verwertbare Klassenlagenbestimmung
1 Obere u. mittlere Ränge der Dienstklasse (= höhere u. mittlere Ränge der akademischen Berufe, der Verwaltungs- und Managementberufe; Großunternehmer)
2 Niedrige Ränge der Dienstklasse
3 Nicht-manuelle Berufe mit Routinetätigkeiten (vor allem Büroberufe, auch Verkaufsberufe)
4 Selbständige mit 2-49 Mitarbeitern
5 Kleine Selbständige mit 1 Mitarbeiter oder allein
6 Selbständige Landwirte
7 Techniker, Aufsichtskräfte der Beschäftigten im manuellen Bereich (Vorarbeiter, Meister)
8 Facharbeiter
9 Un- und angelernte Arbeiter
10 Landarbeiter
11 Abspaltung von Klasse 3: Berufe ohne jegliche bürokratische Einbindung. (Die Abspaltung wurde nachträglich vorgenommen, als das Klassenlagenschema auch für Frauen erstellt wurde.)
12 Genossenschaftsbauer

Ableitung der Daten:
Diese Variable wurde aus V952 und V953 gebildet.

Note:
Einordnungsberuf

Der Einordnungsberuf lässt auch für nicht erwerbstätige Befragte eine indirekte berufliche Klassifikation beispielsweise über den Beruf des/der Ehepartners/in oder des Vaters zu. Zweck des Einordnungsberufs ist es, für die Nichterwerbstätigen eine Beschreibung von Lebenslagen und sozialer Position zu erreichen, insofern sie auf einer (indirekten) Beziehung zum Beschäftigungssystem beruhen.

Zur Erläuterung siehe:
Franz Urban Pappi 1979: Sozialstrukturanalysen mit Umfragedaten. Probleme der standardisierten Erfassung von Hintergrundsmerkmalen in allgemeinen Bevölkerungsumfragen, Königstein/Ts.: Athenäum.


Pappi (1979: 297) weist darauf hin, dass mehrere Einordnungsweisen denkbar sind. Da der von ihm selbst vorgeschlagene Einordnungsberuf weitgehend "männerzentriert" ist (z.B. werden verheiratete Frauen nach dem Beruf ihres Ehemannes eingeordnet), wurde von Michael Terwey eine weniger "männerzentrierte" Alternative entwickelt. Diese neuere Einordnung trägt auch der Vorstellung Rechnung, dass in der heutigen Gesellschaft die unmittelbare Lage des Individuums selbst stärker als bisher seine soziale Position bestimmt.

Bei der Konstruktion des Einordnungsberufs nach Terwey wird in folgenden Schritten verfahren:

1) Allen hauptberuflich Erwerbstätigen wird der derzeitige eigene Beruf zugewiesen.

2) Bei ehemals Erwerbstätigen wird der Code des eigenen früheren Berufs zugeordnet.

3) Nur diejenigen verheirateten Frauen und Männer erhalten den Beruf ihres Ehepartners, welche selbst noch nie erwerbstätig waren. Ist der Ehepartner Schüler/Student, Hausfrau/Hausmann oder Wehr-/Zivildienstleistender, wird der Vaterberuf herangezogen. Ist der Ehepartner Rentner, arbeitslos oder aus anderen Gründen nicht erwerbstätig, wurde der Befragte in früheren ALLBUS-Jahrgängen nach dem letzten Beruf des Ehepartners eingeordnet. Im ALLBUS 2010 wurde dieser Beruf nicht erfragt, daher wurde der Einordnungsberuf in solchen Fällen als nicht bestimmbar codiert.

4) Verwitwete, geschiedene oder getrennt lebende Befragte, die selbst nie berufstätig gewesen sind, wurden in früheren ALLBUS-Jahrgängen nach dem Beruf des ehemaligen Ehepartners eingeordnet. Da die entsprechende Information im ALLBUS 2010 nicht verfügbar ist, wurden bei solchen Befragten die Einordnungsvariablen auf "nicht bestimmbar" gesetzt.

5) Alle ledigen Befragten, die selbst nie hauptberuflich erwerbstätig waren, werden über den Vaterberuf eingeordnet.

6) Eine generelle Ausnahme bilden Wehrdienstleistende, Zivildienstleistende und Auszubildende, die grundsätzlich nicht als hauptberuflich erwerbstätig im Sinne dieser Einordnung behandelt werden. Bei ihnen wird wie bei den anderen Befragten, die keinen eigenen Hauptberuf haben, der jeweils nächstmögliche Beruf zur Einordnung herangezogen. Z.B. bei den verheirateten Befragten dieser Gruppe der gegenwärtige Beruf des Ehepartners oder, wenn auch hier keine Einordnung möglich ist, der Beruf des Vaters.

Falls bei einer der für die Einordnung relevanten Berufsangaben ein fehlender Wert (Beruf unzulänglich beschrieben, Verweigert, Weiß nicht oder Keine Angabe) auftritt oder alle relevanten Berufsangaben anderweitig keine Einordnung über einen Hauptberuf zulassen, ist kein Einordnungsberuf bestimmbar.

Im ALLBUS 2010 wurde der Einordnungsberuf nach Pappi nicht mehr gebildet, weil in Folge von Kürzungen der ALLBUS-Demographie dazu erforderliche Informationen für einen großen Teil der Befragten nicht mehr zur Verfügung stehen (zu den Kürzungen vgl. auch den Methodenbericht zum ALLBUS 1994).



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Das ALLBUS-Klassenschema nach Goldthorpe

Zur Erläuterung siehe:

Petra Beckmann und Reiner Trometer 1991: Neue Dienstleistungen des ALLBUS: Haushalts- und Familientypologien, Klassenschema nach Goldthorpe, in: ZUMA-Nachrichten 28: 7 - 17.

Robert Erikson und John H. Goldthorpe 1992: The Constant Flux, Oxford: University Press.

Robert Erikson, John H. Goldthorpe, Wolfgang König, Paul Lüttinger und Walter Müller 1989: The International Mobility Superfile (IMS) - Documentation -, CASMIN-Projekt, Mannheim. (Anwendung des Klassenschemas auf internationale Datensätze)

John H. Goldthorpe 1980: Social Mobility and Class Structure in Modern Britain, Oxford: Clarendon Press. (Als Erläuterung des theoretischen Hintergrunds)


Das Klassenschema von Goldthorpe kategorisiert Individuen auf Grundlage der beruflichen Stellung und der beruflichen Tätigkeit (ISCO 1968). Aus der Kombination dieser beiden Variablen werden insgesamt 12 verschiedene Klassenlagen gebildet.

Im Gegensatz zu den Codierungen des Goldthorpe-Klassenschemas in früheren ALLBUS-Datensätzen wird seit 1996 für die Genossenschaftsbauern ein eigener Code (12) vergeben. Um die Vergleichbarkeit mit früheren ALLBUS-Erhebungen herzustellen, ist bei Goldthorpe-Klassifikationen aus früheren Erhebungen die folgende Modifikation durchzuführen: Befragten, die bei der beruflichen Stellung "Genossenschaftsbauer" (Code 14 bzw. 65) angegeben haben, ist im Goldthorpe-Klassenschema der Code 12 zuzuordnen.

Im Unterschied zu einem an Prestige und Status gemessenen "hierarchischen" Index ist der Index von Goldthorpe an einem Konzept der Klassenstruktur orientiert. Mit seiner Hilfe läßt sich beispielsweise die Entwicklung einer industriellen Gesellschaft und deren Wandel zur Dienstleistungsgesellschaft anhand der Expansion oder Schrumpfung einzelner Klassen des selbständigen Mittelstandes und verschiedener Gruppen von Angestellten und Beamten exakter nachzeichnen und analysieren als anhand von Kategorien, die ausschließlich auf Status- und Prestigewerten beruhen. Der Index ist auch besonders für die Analyse von Mobilitätsprozessen oder zur Abbildung klassenspezifischen Wahlverhaltens oder politischer Einstellung geeignet.

Darüber hinaus ist das Klassenschema von Goldthorpe in seiner jetzt vorliegenden Form auch auf internationale Vergleichsdatensätze zugeschnitten und ist daher ein in der international vergleichenden Mobilitätsforschung vielfach verwendeter Index.

Values Categories N NW
1 OBERE DIENSTKLASSE 335 337.2
 13.5%
2 UNTERE DIENSTKLASSE 671 683.1
 27.3%
3 EINF. BUEROBERUFE 197 203.1
 8.1%
4 ARBEITGEBER,2-49 MIT. 70 76.7
 3.1%
5 SELBST. MAX.1 MITARB. 108 105.2
 4.2%
6 LANDWIRTE 29 31.3
 1.2%
7 LEIT.ARBEITER;TECHN. 217 216.2
 8.6%
8 FACHARBEITER 416 377.2
 15.1%
9 EINFACHE ARBEITER 309 318.8
 12.7%
10 LANDARBEITER 34 29.0
 1.2%
11 SONST.NON-MANUELLE 120 123.4
 4.9%
12 GENOSSENSCHAFTSBAUER 6 3.6
 0.1%
0 N. KLASSIFIZIERBAR 315 322.4

Summary Statistics

Valid cases 2512 2504.635
Missing cases 315 322.365
Minimum 1.0
Maximum 12.0
This variable is numeric

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